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Warum "gestreckte" Prüfungen?

Unternehmen bilden aus, um den zukünftigen Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern zu sichern. Fachkräfte, die im eigenen Betrieb ausgebildet wurden, sind entsprechend den Anforderungen des Unternehmens sowie der Branche (Kundenkenntnisse) geschult. Seit Ende der achtziger Jahre haben sich die Arbeitsformen in den Unternehmen zunehmend verändert. Abläufe, Prozesse und Anforderungen sind komplexer geworden, neue Technologien sind miteinander vernetzt, es gibt neue Organisationsformen, und auch Dienstleistungen sind heute umfangreicher und kundenorientierter. Daher war es erforderlich, auch die Berufe den aktuellen Entwicklungen anzupassen und mit ihnen die zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen.

Merkmale der neu geordneten Facharbeiterberufe, die sich auch in den neuen Prüfungen wieder finden, sind:

Weiterhin sollen Facharbeiter, die nach der neu geordneten Berufsausbildung ausgebildet sind, ihre Tätigkeit sowohl selbstständig als auch in Gruppen ausüben können. Und: Fachkräfte sollen innerhalb des Betriebes mit mehr Flexibilität eingesetzt werden können; dies greift u.a. der allgemeinen Entwicklung vor, dass zukünftige Fachkräfte über eine sehr hohe berufliche Mobilität zwischen unterschiedlichen Arbeitsgebieten verfügen.

Kennzeichen der neuen Berufsstruktur ist der hohe Anteil an gemeinsamen Kernqualifikationen in der ersten Hälfte der Ausbildung sowie die berufsspezifische Fachqualifikation von 21 Monaten inklusive der Fachaufgaben im betrieblichen Einsatzfeld. Dadurch haben Betriebe die Möglichkeit, auch in ihren Spezialfeldern auszubilden.

Die Berufsbezeichnungen für die bisherigen Berufe bleiben in den neu gestalteten Ausbildungsordnungen erhalten. Die Fachrichtungen der neu gestalteten Berufe entfallen, stattdessen werden Einsatzgebiete vom Betrieb selbst oder nach der Ausbildungsordnung definiert.

Die neuen Prüfungsordnungen kommen dem Interesse der ausbildenden Betriebe mehr entgegen als die früheren. Der Auszubildende muss nicht mehr auf eine Prüfung vorbereitet werden, die womöglich mit den Aufträgen und Aufgaben des Betriebes wenig zu tun hat. Vielmehr orientiert sich die Prüfung am ausbildenden Betrieb selbst, indem dieser eine Aufgabe formulieren kann, die seinen üblichen Inhalten und Aufträgen entspricht. Ein wesentlicher Unterschied zu den alten Prüfungsordnungen ist, dass nun anstelle der bisherigen, für das Endergebnis irrelevanten Zwischenprüfung eine Abschlussprüfung Teil 1 tritt, deren Ergebnis direkt in das Gesamtergebnis eingeht. Anstelle einer Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung gibt es also eine zweiteilige, über die Ausbildungszeit verteilte Abschlussprüfung, weshalb man auch von "gestreckten" Prüfungen spricht.

In den neu gestalteten Ausbildungsordnungen wurde eine neue Ausbildungsstruktur geschaffen, die als weiterentwickelte Zeitrahmenmethode eine höhere Flexibilität in der Berufsausbildung ermöglicht. Die einzelnen Qualifikationen sind nicht mehr Zeitrichtwerte in Wochen; vielmehr ist jetzt ein Qualifikationsbündel von Kern- und Fachqualifikationen einem nach Monaten bemessenen Zeitrahmen zugeordnet.