Fotoelement Atmo
Logos: Ausbildernetz plus, bfz, f-bb
Logo: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
Themennavigation öffnenThemennavigation
Während der Ausbildung > Ausbildung von beeinträchtigten Jugendlichen > Ausbildung trotz Beeinträchtigungen

Ausbildung trotz Beeinträchtigungen

Wenn ein Auszubildender eine Lehre beginnt, verlässt er eine Lebenswelt, in der er sich auskennt. Er weiß, nach welchen Regeln sie funktioniert. Mit der Lebenswelt "Betrieb" betritt er Neuland. In dieser Situation treffen häufig sehr unterschiedliche Einstellungen und Erwartungen seitens des Betriebes und des Auszubildenden aufeinander. Daraus entstehen immer wieder Konflikte.

Themenübersicht:

Schwierigkeiten sind normal

Welcher Ausbildungsverantwortliche in einem Betrieb hat nicht schon die Erfahrungen gemacht, dass der/die Azubi unpünktlich ist, sich immer wieder krank meldet, dass die Leistungen in der Berufsschule nachlassen oder dass man beim Erklären das Gefühl hat, der junge Mensch wäre nur körperlich anwesend? Welcher Auszubildende andrerseits kennt nicht die Situation, dass im ersten Moment alles klar schien, aber dann, beim Tun, stellt sich heraus, dass die Erklärung nicht ausreichend war? Der Lehrling wird unsicher, weil er Angst hat, Fehler zu machen, und macht gerade deswegen das Falsche, nämlich nicht weiter nachzufragen … Die Fehler häufen sich, die Motivation sinkt, es macht sich Frust breit.

Doch diese Art von Konflikten ist "normal", d.h. mit gesundem Menschenverstand lösbar, wenn die Phänomene nicht als Böswilligkeit sondern als Anzeichen einer Schwierigkeit wahrgenommen werden. Häufig reicht schon ein Gespräch, in dem sich beide Seiten auf einen Perspektivenwechsel einlassen, d.h. bereit sind, den Sachverhalt auch aus dem Blickwinkel des andern zu sehen.

 

Seitenanfang

Problemfälle brauchen besondere Aufmerksamkeit

Es gibt allerdings Konstellationen in Lehrverhältnissen, deren Struktur von den "normalen" Problemfällen abweicht. Hier genügt es nicht, ein oder mehrere Gespräche zu führen. Hier brauchen die Ausbildungsverantwortlichen längerfristige und methodisch fundierte Strategien, um die Lehrzeit erfolgreich zu bewältigen.

Gemeint sind die Fälle, wo Auszubildende beeinträchtigt sind. Das heißt, wo es ihnen aus eigener Kraft und mit dem üblichen Maß an Betreuung nicht gelingt, mit den Anforderungen eines Lehrverhältnisses zurechtzukommen. (Erläuterung des Begriffes "Jugendliche mit Beeinträchtigung"(Download als PDF-Datei, 37KB).)

Seitenanfang

Formen der Beeinträchtigung

Eine häufig anzutreffende Differenzierung in der Fachdiskussion untergliedert derartigen erhöhten Förderbedarf nach drei Arten von Beeinträchtigungen:

Seitenanfang

Vertrauen geben und Stärken fördern

Grundlegend falsch wäre es, solchen Jugendlichen reserviert und mit abwartender Distanz zu begegnen. Mit Vertrauen, klaren Vorgaben und konsequenter Förderung der Stärken lassen sich Lern- und Verhaltensschwierigkeiten überwinden. Viele Beispiele aus Betrieben bestätigen das:

Herr Nagel von der Stahl Großküchen GmbH, Markt Einersheim: Stärken ergeben sich sehr schnell in und während der Ausbildung. Diese unterstützen wir aktiv, indem wir dann entsprechend Verantwortung übertragen.

Herr Herzog von der Webasto AG, Stockdorf bei München: Bei den Jugendlichen entwickeln sich bestimmte Fähigkeiten erst im Laufe der Zeit […]. Wir versuchen diese Stärken zu erfassen, damit wir die Auszubildenden optimal einsetzen können. Dies geschieht dadurch, dass nach jedem Fachbereichswechsel ein Auswertungsgespräch mit dem Abteilungsausbilder und dem Azubi stattfindet. Dabei werden die Fachkompetenzen auf einer Art "Laufzettel" erfasst. So können wir gezielte Fördermaßnahmen einsetzen und dies bei der Übernahme berücksichtigen. Denn: Wir wollen, dass für alle das Klima stimmt!

Herr Fürst von Neumarkter Lammsbräu: Wir pflegen keinen Defizit-Ansatz, sondern stärken die Stärken.

Seitenanfang

Kapitelüberblick

In den folgenden Kapiteln werden die verschiedenen Beeinträchtigungen erläutert, es wird dargestellt, wie man sie im Betriebsalltag erkennt und mit welchen Verfahren und Strategien ihnen entgegengewirkt werden kann. Im Anschluss werden Berufe vorgestellt, die uns geeignet erscheinen, auch beeinträchtigte Jugendliche zu einer abgeschlossenen Ausbildung zu führen. Ganz am Ende stehen weiterführende Informationen, ein Literaturverzeichnis und Linklisten sowie Hinweise auf außerbetriebliche Möglichkeiten der Hilfe und Förderung für Betriebe mit beeinträchtigten Auszubildenden.

Seitenanfang