Erscheinungsformen
Lernbezogene Beeinträchtigungen zeigen sich nicht nur an dem Punkt, wo der Auszubildende eine Aufgabe bewältigen soll, sondern oft auch viel umfassender, im gesamten Verhalten eines Jugendlichen. Angetrieben von der Angst zu versagen, stellt für einen Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigung jede Situation eine Bedrohung dar, in der er fürchten muss, einem Vergleich mit anderen ausgesetzt zu werden. Die dazu passenden Verhaltensextreme sind Passivität und Sich-Wegducken auf der einen Seite und das hyperaktive Überspielen von "kritischen" Situationen am anderen Ende der Skala.
Im Kernbereich des Lernens bringt eine Lernbeeinträchtigung in der Regel die drei folgenden Ergebnisse hervor:
- Lückenhafte Vorkenntnisse: als Schüler hat der Jugendliche zu oft gefehlt bzw. hat nicht aktiv teilgenommen (siehe auch Abb.2, Entstehungskreis von Lernschwierigkeiten im Kapitel Lernbezogene Beeinträchtigungen)
- Geringe Behaltensleistung (Langzeitgedächtnis): die Jugendlichen können sich Dinge schlecht merken, können ihr Wissen schlecht ordnen und verknüpfen
- Geringe Motivation und Frustrationstoleranz: die Jugendlichen lassen sich schnell ent-mutigen, sie fürchten sich vor Misserfolg und wollen sich deshalb einer Aufgabe erst gar nicht stellen (nach Heimlich (2007/2008), S. 11f, siehe Wo sind weitere Informationen zu finden?). Die folgende Auflistung versammelt mögliche Erscheinungsformen einer Lernbeeinträchtigung, wie sie in den Bereichen des Lernens im engeren Sinn und im allgemeinen Verhalten auftreten können. Zusatzinformation: Erscheinungsformen der Lernbeeinträchtigung (Download als DOC-Datei, 243KB).
Lernverhalten: Der Auszubildende …
- kann sich schlecht konzentrieren,
- wendet wenig Zeit auf, um eine Aufgabenstellung gedanklich zu durchdringen,
- fängt neue Aufgaben an, ohne die vorherigen abgeschlossen zu haben,
- kann sein Vorwissen nur in geringem Maße aktivieren und aufgabengerecht einsetzen,
- verfolgt eher unwichtige Punkte mit Pedanterie,
- kann seine Lernprobleme nicht in Worte fassen,
- kann verbindliche Lernziele nur unzureichend verbalisieren,
- kann seinen Lernfortschritt nicht ausreichend kontrollieren und korrigieren.
Allgemeines Verhalten: Der Auszubildende …
- zeigt Unsicherheit, Hemmungen, Ängstlichkeit, Teilnahmslosigkeit,
- ist ständig in Bewegung,
- kann sein Verhalten nicht innerlich steuern,
- ist schwierig im sozialen Umgang (z.B. unpünktlich, unhöflich, rücksichtslos, aggressiv, kontaktschwach).
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Wie können sich Ausbilder Gewissheit verschaffen, wenn sie Lernbeeinträchtigungen vermuten?
- Anhand des obigen Katalogs beobachten, wie jemand Aufgaben angeht und sich bei der Arbeit und im Betrieb benimmt,
- mit den Jugendlichen und ihren Berufsschullehrern sprechen.
Diese Mittel hat ein Ausbilder, um seine Einschätzung abzusichern. Die Jugendlichen öffnen sich gern, denn indem der Ausbilder Interesse an ihnen zeigt erfahren sie, dass sie trotz ihrer Schwierigkeiten akzeptiert werden.
Heimlich, Ulrich: Pädagogik bei Lernschwierigkeiten – eine Einführung in die Lernbehindertenpädagogik; LMU München, Vortrag im Proseminar WS 2007/2008 (Zugriff 18.01.2010)
Vortrag
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