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Während der Ausbildung > Ausbildung von beeinträchtigten Jugendlichen > Lernbezogene Beeinträchtigungen > Merkmale

Merkmale

Was eine lernbezogene Beeinträchtigung ist, ist sehr umstritten. Das Phänomen wird lediglich umschrieben, wenn als Merkmale angeführt werden, dass ein Mensch mit Lernbeeinträchtigung sich schwer tut, Neues aufzunehmen, zu behalten und erfolgreich anzuwenden.

Handelt es sich um einen hirnphysiologisch verankerten und enzephalografisch nachweisbaren Sachverhalt? Oder eher doch um ein psychoindividuelles Knäuel aus negativen Lernerfahrungen, schulischer Auslese und fehlender Förderung?

Themenübersicht:

Gravierende Auswirkungen auf die Person

Welche fatalen Folgen eine Lernbeeinträchtigung auf einen betroffenen Jugendlichen haben kann, ist dagegen nicht strittig. Ein junger Mensch, der immer wieder beschämt wird, weil er in der Schule nicht mithalten kann, zieht sich zurück, nimmt am Unterricht nicht mehr teil, geht am Ende gar nicht mehr hin. Er steckt schnell in einem sich selbst verstärkenden Kreis-lauf aus Vermeidung, darauf folgenden Sanktionen, trotziger Lernverweigerung, Verfestigung von Wissenslücken und daraus resultierend immer größer werdenden Versagensängsten. Am Ende stehen Resignation oder Auflehnung, ("Hass" auf die Schule) und in jedem Fall ein kaputtes Selbstvertrauen.

Grafik: Entstehungskreis

Lehrverhältnis - Chance zum Neuanfang

Deshalb bietet die neue Situation des Lehrverhältnisses eine Chance, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Dies kann nur gelingen, wenn die Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben in der Lage sind, dem Jugendlichen diese Chance geben. Dazu gehört ganz wesentlich, dass die betrieblichen Ausbilder in den Defiziten des lernbeeinträchtigten Jugendlichen auch ein Produkt der Schule sehen.

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Rückenstärkung aus der Wissenschaft

Im Zuge der vergleichenden Studien über die Lernerfolge der Schüler in den jeweiligen nationalen Schulsystemen ist deutlich geworden, dass das deutsche Schulsystem nicht darauf ausgerichtet ist, lernschwache Schüler zu fördern, sondern dass Auslese und Zuweisung auf einen vermeintlich begabungsadäquateren Schulzweig im Vordergrund stehen.

Wer als Ausbildungsverantwortlicher erstmalig vor der Entscheidung steht, Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen einen Lehrvertrag anzubieten und noch Zweifel hat, ob er sich auf das Wagnis einlassen soll, wird möglicherweise in seinem Vorhaben bestärkt durch die Argumente und Analysen einer pädagogischen Expertin:

Auf Leistungsversagen der Schülerinnen und Schüler reagiert die Schule nicht mit verstärkten Förderbemühungen, sondern mit Auslesemechanismen. Anstelle der Förderung nimmt die Auslese einen hohen Stellenwert ein. Es besteht eine starke interne Auslese (Zurückstellung vom Schulbesuch, Sitzen bleiben, Abstufung und Überweisung an eine untere Schulform). Wie PISA gezeigt hat, sind 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland von solchen Selektionsmaßnahmen betroffen.
Quelle: aus Renate Valtin, Stellungnahme zur Hessischen Verordnung zur Förderung von Kindern mit Schwierigkeiten beim Spracherwerb von 18.05.2006,Auszug aus dem Vortrag. (Zugriff 18.01.2010)

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